Kurz vor den Weihnachtsferien findet in der Werkakademie Leipzig alljährlich eine kleine Werkschau statt. So auch in diesem Jahr…

Die Räume der Werkakademie Leipzig erstrahlen dann im Kerzenschein. Der Duft von Weihnachtsgebäck und heißem Apfelsaft verbreitet eine heimelige Atmosphäre. Während Schüler und Dozenten auf den adligen Besuch warten, machen sich die feinen Damen im Ankleidezimmer für ihren großen Auftritt zurecht. Bei den Bühnen- und Kostümschneidern wird gesteckt, drapiert, die Mieder werden gezurrt, Schmuck und Korsetts angelegt, die Unterwäsche zurechtgezupft. Schließlich soll alles perfekt sein, für den großen Auftritt.

Zuvor legten unsere Maskenbildner Hand an. Eine feine Dame benötigt schließlich ein edles Make-up und eine passende Frisur. Hier glühen die Lockenstäbe. Kleine und große Löckchen türmen sich auf den Köpfen der Modelle zu edlen Hochsteckfrisuren. Man wähnt sich fast in einer anderen Welt.

500 Jahre Kostümgeschichte bei der Werkakademie Leipzig

Endlich ist es soweit! Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu und die Werkakademie Leipzig öffnet den Blick ihrer Zuschauer für fast 500 Jahre Kostümgeschichte. Dr. Reich, Schulleiter der Werkakademie, eröffnet die Werkschau und übergibt die Moderation an Frau Becker-Geipel, Schulleiterin der Fachrichtung Bühnen-und Kostümschneider inkl. Maßschneider. Sie führt die Anwesenden zurück in eine andere Zeit. Sie verfolgen einen historischen Zeitstrahl, der bis zu 500 Jahre Kostümgeschichte zeigt. Die zarten Modelle versetzen die Zuschauer zurück in die deutsche Renaissance hin zur spanischen Mode, ins Rokoko und schlussendlich in die Gründerzeit und Jahrhundertwende. Gekonnt setzten die Damen ihre fein drapierten Kleider in Szene, zeigen die aufwendig verarbeiteten Korsetts und Unterbauten. Bei so viel Liebe zum Detail, lässt sich nur erahnen wieviel Zeit, Mühe und Arbeit in so einem Gewand stecken…

Ergebnisse der Komplexarbeit

Jede Epoche weist typische Merkmale auf. Diese setzten Maskenbildner sowie Bühnen- und Kostümschneider originalgetreu um. Die präsentierten Kostüme sind das Ergebnis einer Komplexarbeit des ersten, zweiten und dritten Ausbildungsjahres. Die Anfertigung der Kostüme dauerte etwa 12 Wochen und erstreckte sich über zwei Schuljahre. Dabei beschränkten sich die angehenden Bühnen- und Kostümschneider nicht ausschließlich auf die Kleider. Für authentische Kostüme stellten Sie Korsetts, Unterbauten und Unterwäsche her, die die Basis für die edlen Gewänder bilden.

Für das unten abgebildete Kostüm aus der Jahrhundertwende benötigen die angehenden Bühnen- und Kostümschneider etwa drei bis vier Wochen. Dieses besteht aus einem Korsett, einem Unterrock, einem Rock und einer Bluse. Die Kosten für das Material sind hier noch überschaubar, sie liegen bei etwa 100 Euro. Für Kostüme aus dem Rokoko oder der Renaissance liegt der Zeit- und Kostenaufwand weitaus höher.

Fachkundige Anleitung erhalten die Auszubildenden von Anja Becker-Geipel. Sie ist professionelle Gewandmeisterin und Leiterin des Burgateliers auf Burg Querfurt. In der Filmbranche ist sie bekannt für ihre hochwertigen, detailgetreuen Anfertigungen historischer Filmkostüme.

Grassi goes Gotik 2017

Neugierig geworden? Wie jedes Jahr präsentieren unsere Bühnen- und Kostümschneider zum WGT 2017 am Pfingstwochenende ihre Werke im Grassi Museum für Angewandte Kunst Leipzig. Hinzu kommen diesmal die Prospekte der Bühnenmaler und Perücken der Maskenbildner. Die heutige Werkschau war nur ein kleiner Vorgeschmack auf die wunderbare Welt opulenter historischer Ausstattungen…

Text: Nadine Neugebauer
Bilder: Kristin Hensel