Unsere Auszubildenden absolvieren jedes Schuljahr ein Praktikum. Sie arbeiten mehrere Wochen an verschiedenen Theaterwerkstätten, in kleinen Ateliers und bei Designern. Oftmals sind sie in alle Himmelsrichtungen verstreut. Ob Bochum, Celle, Düsseldorf, Heidelberg oder ganz nah in Leipzig, jeder angehende Maßschneider wählt sich seinen Betrieb nach seinen Interessen aus.

Optimale Vorbereitung auf die Arbeitswelt

Die Praktika der angehenden Maßschneider sind eine wichtige Station in der Ausbildung. Hier wenden sie Erlerntes an und strecken ihre Fühler in die reale Arbeitswelt aus. Schließlich hat unsere Ausbildung nur einen Zweck: den Schülern die optimale Vorbereitung auf ihr nachfolgendes Berufsleben zu gewährleisten. In den Praktikumszeiträumen lernen sie, sich in der Arbeitswelt zurechtzufinden, im Team zu arbeiten und eigenständig kleine und große Aufgaben zu übernehmen. Aus der praktischen Arbeit in einem realen Unternehmen nehmen sie viele neue Eindrücke mit und erlernen neue Techniken. Zudem gibt ihnen die Zeit dort Gewissheit darüber, ob der Beruf wirklich für sie geeignet ist.

Praktikumsberichte zur Selbstreflexion

Im Anschluss an diese schulische „Auszeit“ geben unsere Auszubildenden einen Praktikumsbericht ab. Darin beschreiben sie die Arbeit in dem Unternehmen, erzählen von ihren Erlebnissen und wie es ihnen gefallen hat. Unsere Dozenten interessiert natürlich auch, was sie an neuen Fähigkeiten aus dem Praktikum mitnehmen konnten. Wir geben Dir einen kleinen Einblick…

Neben dem Erlernen neuer Techniken schafft ein Praktikum Vertrauen in sich selbst

In den Praktikumsberichten erwähnen unsere Schüler immer wieder, wie viel Erfahrung sie aus der betrieblichen Arbeit mitnehmen. Oftmals erlernen sie neue Verarbeitungstechniken oder vertiefen bereits Erlerntes. Die Übernahme von größeren, schwierigen Arbeiten macht sie stolz und fördert ihr Selbstvertrauen in ihre Fähigkeiten. Sie wachsen über sich selbst hinaus und entdecken die Leidenschaft für ihren zukünftigen Beruf. So erging es auch Christin S., sie absolvierte ihr Praktikum in der Damenwerkstatt einer Koblenzer Spielstätte:

„Im Rahmen des Praktikums eignete ich mir einige neue Verarbeitungstechniken an und arbeitete aktiv an Kostümen aktueller Aufführungen mit. Die Arbeit war anspruchsvoll und breit gefächert. Ich nahm Änderungen an schon bestehenden Kostümen vor, kürzte Jackenärmel und ließ in Tüllröcken Weite heraus. Zudem erweiterte ich eine Korsage im Umfang. Für die Hauptdarstellerin eines Stücks durfte ich ein schwarzes Kleid mit Wasserfallkragen zusammennähen. Das bereitete mir viel Freude und gab mir Selbstbewusstsein. Anfänglich war ich sehr unsicher wegen meiner Fähigkeiten und war zittrig, als ich einen Reißverschluss in ein Miederhöschen mit Maschine einsetzen sollte. Aber nach ein bis zwei Wochen hatte sich diese Nervosität komplett gelegt. Das Praktikum war für mich sehr lehrreich. Diese vier Wochen haben mir gezeigt, wieso ich diesen Beruf für mich gewählt habe und wie gern ich ihn hauptberuflich ausüben möchte.“

Lukas W. berichtet ähnliches. Er absolvierte sein Praktikum an einem Theater der Region und schreibt: „Ich hatte die Möglichkeit an verschiedenen Stücken mitzuarbeiten und fertigte Röcke, Blusen, Unterröcke sowie ganze Kostüme an. Ich habe mit großer Freude und höchster Motivation an den Kostümen gearbeitet und wurde für meinen Fleiß und meine Geschwindigkeit gelobt. Mir wurden verschiedene Verarbeitungstechniken gezeigt, ebenso wie das schnelle und akkurate Ändern von Blusen. Ich könnte mir durchaus vorstellen für einige Jahre in einer Theaterwerkstatt zu arbeiten, um mir weitere Kenntnisse anzueignen.“

Techniken verbessern und Neues lernen

Unsere Schüler wissen viel, aber noch nicht alles und freuen sich umso mehr, ihre Handfertigkeiten zu verbessern. Lydia B. absolvierte ihr Praktikum an einem Schauspielhaus in Nordrhein-Westfalen und schreibt: „Durch meine freie Arbeit habe ich viel gelernt und meine Fähigkeiten verbessert, aber auch festgestellt, dass ich noch nicht alles weiß oder kann. Im Praktikum übte ich viel Schnitterstellung und -Abwandlung, wodurch sich mein allgemeines Verständnis von Passform und Linienführung geschärft hat.“

Spezialwissen aus dem Unterricht anwenden und weitergeben

Das auch unser Spezialwissen in Sachen „Historische Unterbauten“ bei den Praktikumsbetrieben ankommt, beweist Lydia K. Sie absolvierte ihr Praktikum in der Schneiderei eines Theaters in Celle: „Mir wurden anspruchsvolle Aufgaben wie Änderungen und Reparaturen an Kostümen übertragen. Ich leitete zudem eine Jahrespraktikantin bei der Anfertigung eines Mieders an. Im Praktikum konnte ich mir schon bekannte Dinge vertiefen und mein Wissen und meine Erfahrung mit Rockunterbauten aus der Schule weitergeben.“

Schwächen erkennen und daran arbeiten

Die Selbstreflektion in den Praktikumsberichten ist auch dazu da, eigene Schwächen zu erkennen, um daran zu arbeiten. Lydia K. schreibt: „Ich habe im Rahmen des Praktikums ebenso erkannt, dass ich Probleme mit dem organisierten und strukturierten Arbeiten habe und dadurch Zeit verliere. Darin möchte ich in Zukunft arbeiten. Die Erfahrungen, die ich aus der Praxis mitnehmen konnte, haben mich sehr bereichert.“

Genauigkeit, Selbständigkeit und Mut zu experimentellen Ansätzen zählen

Selbstständigkeit, Genauigkeit und experimentelle Techniken gehören für viele Unternehmen dazu. Anne S. absolvierte ihr Praktikum in der Herren- und Damenschneiderei eines Theaters in Heidelberg: „Es war motivierend, den normalen Arbeitsalltag eines Schneiders am Theater zu erleben. Beruflich und in Hinblick auf meine Fertigkeiten hat mich das Praktikum bereichert. Ich bin so nun in der Lage selbstständiger zu arbeiten, konnte meine Schnelligkeit und Genauigkeit verbessern und mich in experimentellen Lösungswegen üben. Ich habe viel dazugelernt und konnte einen guten und realitätsnahen Eindruck von meinem zukünftigen Wunsch-Arbeitsplatz erlangen.“

Kritik als Chance zum Wachsen sehen

Lob und Kritik gehen im realen Arbeitsleben gemeinsam einher. Das weiß auch Alyssa T., sie arbeitete während des Praktikums in einem Atelier in Düsseldorf, das Kostüme und Ausstattungen für große Theater und Musicals anfertigt: „Sowohl Lob als auch Kritik wurden mir stets offen entgegengebracht, um meine Stärken hervorzuheben und mir die Möglichkeit zu geben, an meinen Schwächen zu arbeiten.  Hilfreich und zugleich hinderlich für mich war mein eigener Anspruch an die Qualität meiner Arbeit, da manche Arbeiten höchste Präzision erfordern, andere eher Schnelligkeit. Insgesamt habe ich in diesem Praktikum viel Neues gelernt. Die Arbeit war kreativ fordernd und fördernd und hat mich in meiner Berufswahl bestätigt.“

Bisherige Praktikumsplätze der Bühnen- und Kostümschneider

Unsere Auszubildenden absolvierten in den letzten Jahren Praktika bei sehr unterschiedlichen Unternehmen darunter: Oper Leipzig, Theater Heidelberg, Schlosstheater Celle, Staatstheater Saarbrücken, Kostümstudio Babelsberg, Theaterkunst GmbH, Schauspielhaus Bochum, Stadttheater Koblenz, Das Gewand GmbH.

Die Ausbildung zum Maßschneider an der Werkakademie Leipzig

Die Werkakademie bietet die Ausbildung zum Maßschneider in Kombination mit zwei verschiedenen Schwerpunkten an. Zur Auswahl stehen die Ausbildung zum Bühnen- und Kostümschneider inkl. Maßschneider sowie die Ausbildung zum Mode- und Textildesigner inkl. Maßschneider. Du verfügst bereits über eine abgeschlossene Ausbildung? Dann kommt für Dich eventuell die Weiterbildung zum Mode- und Textildesigner inkl. Maßschneider in Frage. Wissenswertes zu den Aus- und Weiterbildungen an der Werkakademie Leipzig erfährst Du direkt auf unserer Homepage.