Schon früh begeistert sich Frau Dr. Kupfernagel für Tiere. Mit zwölf Jahren arbeitete sie bereits in der Schulzoo AG und kümmerte sich auch daheim liebevoll um verschiedene Haustiere. Die geborene Leipzigerin studierte Biologie an der Universität Leipzig. Anschließend sammelte sie mehrere Monate Erfahrungen im Ausland. Sie verfasste ihre Doktorarbeit der Zoologie am Institut für Natur, Landschafts- und Umweltschutz an der Universität Basel. Auf diese ist sie besonders stolz. Für sie war die Promotion eine ihrer großen Herausforderungen. Für die Arbeit in der Schweiz trennte sie sich lange Zeit von Freunden und Familie, zog in ein für sie fremdes Land und setzte sich erfolgreich mit verschiedenen Projekten auseinander. Schlussendlich zog sie das Heimweh wieder zurück nach Leipzig…

Schulleiterin und Dozentin bei der Animal School in Leipzig

Seit 2012 ist Frau Dr. Kupfernagel  nun Dozentin an der Animal School. Sie betreut die Tierpfleger der Fachrichtung Tierheim und Pension bei ihrer praktischen Ausbildung. Dazu steht sie in regem Kontakt mit den Kooperationspartnern in und um Leipzig. Hinzu kommt der Theorieunterricht in den Feldern Terraristik, Aquaristik, Systematik und Tierrassen. Ebenso betreut sie die Komplex- und Projektarbeiten der Auszubildenden. Neben ihrer Tätigkeit als Klassenlehrerin der Tierpfleger übernimmt sie wichtige Aufgaben als Schulleiterin der Animal School, zu denen die Ausbildungsorganisation und die Durchführung der Zwischenprüfungen gehören.

Auch privat hört die Tierliebe nicht auf

Privat verfolgt sie ein außergewöhnliches Hobby: Sie züchtet Pfeilgiftfrösche. Diese Tätigkeit verschafft ihr einen Ausgleich zu ihrem teilweise anstrengenden Berufsalltag. Beim liebevollen Umsorgen und Beobachten der Frösche in ihren Terrarien findet sie ihre innere Ruhe. Für Aufregung in ihrem Leben sorgt derweil Finja. Die kleine Hündin verzauberte im Nu Kollegen und Auszubildende und wird bald auch den Unterricht der Tierpfleger beleben.

Dr. Kupfernagel im Interview

Wir sprachen mit Frau Dr. Kupfernagel über die Ausbildung zum Tierpfleger Tierheim und Tierpension:

Frau Dr. Kupfernagel, Sie betreuen die Tierpfleger der Fachrichtung Tierheim und Tierpension. Was genau lernen die Auszubildenden bei Ihnen?
In der Ausbildung lernen die Schüler Tiere eigenständig, umsichtig und artgerecht zu pflegen und zu versorgen. Wir versuchen an der Animal School den Auszubildenden Verantwortung zu vermitteln. Das bedeutet auch, dass sie sich darüber bewusst sind, dass Tierpfleger auch am Wochenende oder bei Regen und Schnee arbeiten. Sie sollen erkennen, dass man sich immer weiterbilden muss oder kann, da man nie alles weiß. Dazu gehört auch, dass sie sich ihren eigenen Grenzen bewusst sind und sich nicht scheuen diese zu überwinden.

Dabei sollen meine Schüler auch das Wohlwollen der Tiere im Auge behalten. Sie müssen sich dessen bewusst sein, dass wir als Pfleger oder Tierhalter für die Tiere zuständig sind, da sie meist zwingend auf uns angewiesen sind. Selbst eine Katze kann ihre Futterdose nicht selbstständig öffnen. Neben den Tieren darf man auch die Menschen, die die Schützlinge adoptieren wollen oder halten, nicht vergessen. Sowohl die Tierpfleger als auch unsere Tiermedizinischen Fachangestellten haben einen engen Bezug zum Menschen.

Welche Projekte bearbeiten die Schüler zurzeit?
Ab Januar geht es in die Komplexarbeit für die Tierpfleger. Das zweite Lehrjahr beschäftigt sich mit dem Thema Animal Hording bzw. Tiermessis. Anhand von drei selbstgewählten Zeitschriftenartikeln sollen sie die Ursachen und Folgen für Mensch, Tier und Tierheime erläutern.

Das dritte Lehrjahr beschäftigt sich mit dem theoretischen Aufbau und der Organisation eines eigenen Tierheims oder einer Tierpension. Hierbei verschaffen sie sich einen Überblick über die wichtigsten Grundlagen. Schauen, was man dafür braucht, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen es gibt und setzen sich dabei schon frühzeitig damit auseinander, was man nach der Ausbildung machen möchte oder kann.

Welche Voraussetzungen sollten Schüler für den Beruf des Tierpflegers mitbringen? Welche Herausforderungen bringt die Ausbildung bzw. der spätere Beruf mit sich?
Generell setzen wir neben der Liebe zu verschiedenen Tieren auch die Zuneigung zum Menschen voraus. Das bedeutet, dass sich Tierpfleger nicht nur um Katzen und Hunde kümmern müssen, sondern auch um Pferde und Reptilien. Heutzutage kommen immer mehr “Exoten“ in deutsche Haushalte und somit auch in Tierheime, in Tierpensionen und zu den Tierärzten.

Zusätzlich sollten Tierpfleger körperlich fit sein und auch mal richtig zupacken können. Sie dürfen keine Angst vor Dreck, Kot- oder Misthaufen haben, denn diese sind immer bei der Tierpflege anzutreffen. Starke Nerven gehören manchmal auch dazu, zum Beispiel bei bissigen Hunden oder anstrengenden Tierhaltern. Natürlich ist der Beruf des Tierpflegers kein Nine-to-Five-Job. Sie arbeiten auch an den Wochenenden und bei Wind, Schnee und Regen. Hier gehört auch die Schichtarbeit dazu.

Frau Dr. Kupfernagel, welche Vorteile hat die Ausbildung an der Animal School Leipzig Ihrer Meinung nach gegenüber jener an anderen Schulen oder Einrichtungen?
Die Ausbildungen bei der Sächsischen Lehmbaugruppe sind sehr konzentriert auf den Schüler. Natürlich gibt es wie in jeder Schule Unterricht im Klassenstil. Bei Defiziten können wir jedoch durch die geringere Klassenstärke individuell darauf eingehen und jeden optimal auf die Abschlussprüfung und das Arbeits- und Berufsleben danach vorbereiten.

Zusätzlich können auch individuelle Wünsche wie zum Beispiel die Auswahl der Praktikumsbetriebe einbezogen werden. Wir hatten schon einige Schüler, die eine eigene Hundepension nach ihrer Ausbildung eröffnen wollten und dann auch eher in diesem Bereich ihre Praktika absolvierten. Sie nutzten die Möglichkeit, sich in verschiedenen Betrieben umzusehen. Das wäre bei einer normalen Ausbildung schwierig, da man meist nur in einem Betrieb ist. Bei uns ermöglichen wir den Schülern durch die Praktika und den Praxisunterricht in verschiedene Bereiche und Organisationen hinein zu schnuppern.

Vita

  • geborene Leipzigerin
  • Studium Biologie an der Universität Leipzig (Abschluss 2004), Diplomarbeit am Umweltforschungszentrum zum Thema: „Einfluss von fragmentierten Landschaften auf die Schneckenpopulation.“
  • 2005-2006 Museumspädagogin Tierpflege am naturwissenschaftlichen Museum Phyllodrom e.V., Regenwaldökologie
  • mehrerer Auslandsaufenthalte in Finnland, Bulgarien, der Schweiz und in der Mongolei
  • Doktorarbeit Zoologie am Institut für Natur, Landschafts- und Umweltschutz an der Universität Basel (Abschluss 2011) zum Thema: Sexuelle Selektion bei Zwittern
  • seit 2012 Dozentin und Schulleiterin der Animal School Leipzig
Interview: Nadine Neugebauer