Heilerziehungspfleger arbeiten eng zusammen mit Menschen mit Behinderung und geben ihnen pädagogischen und pflegerischen Beistand. Ihr Ziel ist es deren Eigenständigkeit und Leistungsfähigkeit zu fördern, sodass sie ihren Alltag weitestgehend alleine meistern können. Neben einem angemessenen Freizeitprogramm kümmern sich Heilerziehungspfleger um die berufliche oder schulische Integration von Menschen mit Behinderung. Dazu gehört auch die Assistenz bei der Körperhygiene, der Medikamentenversorgung, bei der Nahrungsaufnahme sowie beim An- und Ausziehen. Heilerziehungspfleger arbeiten nach der Ausbildung meist in Kliniken, Heimen und Tagesstätten sowie in Kindergärten, Förderschulen und in privaten Haushalten. Damit Du Dir die Arbeit als Heilerziehungspfleger besser vorstellen kannst, haben wir Dir zwei Praxisbeispiele zusammengestellt:

Praxisbeispiel 1: Unterstützung durch Heilerziehungspfleger im schulischen Alltag

Timo ist 10 Jahre alt und erlitt nach einem Unfall eine schwere Kopfverletzung. Als der mit seinem Fahrrad unterwegs war, wurde er von einem Lkw beim Abbiegen in einem Kreisverkehr erfasst. Timo lag nach dem Umfall lange auf der Intensivstation, verlor zunächst seine Sprache und hatte in seiner Motorik starke Beeinträchtigungen. Die Gefahr einer geistigen Behinderung bestand, was jedoch durch Förderung und heilpädagogische Begleitung beeinflussbar erscheint. Er ist vor allem im Kontakt mit seinen Mitschülern und seiner Familie stark verändert. Seit dem Umfall zieht er sich immer mehr zurück, wirkt sehr abwesend oder gereizt. Schnell verliert er die Geduld und wirft mit Gegenständen um sich.

Timo hat bis zu seinem Unfall die Grundschule besucht. Damit er nicht aus seinem gewohnten Umfeld herausgerissen wird, beschließt die Schulleitung, dass Timo weiterhin in der Klasse bleiben kann und durch die Heilerziehungspflegerin und Schulbegleiterin Lisa unterstützt wird. Sie motiviert Timo zum konzentrierten Mitarbeiten und gibt ihm verschiedene Hilfestellungen bei der Lösung der Schulaufgaben. Die Arbeit von Lisa ist voll und ganz auf Timo ausgerichtet. Sie nimmt seine Bedürfnisse wahr, z.B. wenn er Schwierigkeiten hat, dem Unterricht zu folgen und durch verschiedene Laute deutlich macht, dass er eine kurze Pause benötigt. Lisa kooperiert dabei immer wieder mit der Klassenlehrerin. Mit der Zeit konnte eine deutliche Verbesserung der sprachlichen Äußerung und der Motivation von Timo bemerkt werden, was vor allem auf das sehr sensible Handeln von Lisa und der Klassenlehrerin zurückzuführen ist. (In Anlehnung an: Ebert u.a. (2013) Heilerziehungspflege, ein Studienbuch in Modulen – Band 1.Hamburg: Verlag Handwerk und Technik GmbH. S.323.)

Praxisbeispiel 2: Sprachförderung im Kindergartenalter

Heilerziehungspfleger Markus arbeitet in der Kindertagesstätte „Sonnenkäfer“. Er unterstützt hier eine integrative Gruppe im Alltagsgeschehen. Seine Anstellung konnte erfolgen, da Jakob, ein 3-jähriger Junge eine Anerkennung als Kind mit besonderem Förderbedarf erhalten hat. Markus ist dafür zuständig, Jakob in besonderem Maße in seiner Sprachentwicklung zu fördern (bisher spricht der Junge nur 2-Wort-Sätze). Jakob zeigt außerdem eine Störung in der Serialität auf, d.h. ihm fällt es schwer, aufeinanderfolgende Sinnesreize aufzunehmen, zu speichern und in einer richtigen, sinnvollen Einheit wiederzugeben. In Absprache mit der zuständigen Erzieherin hat Markus individuelle Förderangebote für Jakob erstellt. In seinen Förderangeboten nutzt Markus sehr viele Ideen, wie z.B. Fingerspiele oder die Arbeit mit Bilderbüchern.

Außerdem hat er sich überlegt, die Förderung der Sprache mit Bewegung zu verbinden, da Jakob sehr aktiv und neugierig gegenüber allem ist, was in der freien Natur passiert. Gemeinsam erprobt Markus mit Jakob im Außenbereich der Kita verschiedene Reime in Verbindung mit Hüpfspielen, die Jakob sehr viel Spaß machen. Außerdem unterstützt der Heilerziehungspfleger den Jungen im Kita-Alltag, indem er mit ihm einen festen symbolgestützten Tagesplan erstellt. Hierbei werden jede Menge Bilder verwendet und gewohnte Symbole, die Jakob bereits kennt, wie z.B. einen Becher für das Frühstück oder einen Fußball für das Freispiel. Jakob lernt nun immer mehr sinnvolle Zusammenhänge zu bilden und fühlt sich im Alltagsgeschehen zunehmend wohler. (In Anlehnung an: Ebert u.a. (2013) Heilerziehungspflege, ein Studienbuch in Modulen – Band 1.Hamburg: Verlag Handwerk und Technik GmbH. S.333. Zusätzliche Informationen von: https://www.heilpaedagogik-info.de/entwicklungsfoerderung-2/723-beispiel-individueller-foerderplan.html).

Ausbildung zum Heilerziehungspfleger in Leipzig

Diese beiden Beispiele zeigen, wie wichtig die Arbeit der Heilerziehungspflege ist. Wenn Du Dich für eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger begeisterst, bietet Dir die Augsburger Lehmbaugruppe die Möglichkeit in Leipzig an der 3-jährigen schulgeldfreien Aufstiegsfortbildung teilzunehmen. Voraussetzung dafür ist eine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung zum Sozialassistent, die Du ebenfalls an der School of health science and education in Leipzig absolvierst. Mehr Infos dazu erhältst Du auf der Homepage der Lehmbaugruppe. Hier kannst Du Dich sofort online bewerben. Unsere Berater stehen Dir bei Fragen telefonisch unter der 0341/ 414 593 33 zur Verfügung!

Text: Julia Butz, Dozentin und Schulleiterin Augsburger Lehmbaugesellschaft, Ergänzungen von Nadine Neugebauer