Die meisten Schüler und Auszubildenden lernen ihren Stoff erst in den letzten Tagen vor der Prüfung. Im Unterricht lesen sie Bücher und Skripte und merken sich von der Tageslektion immer nur Bruchstücke. Richtig lernen sie dann in der knappen Zeit vor der großen Klausur oder Prüfung. Meistens kommt dann auch die berüchtigte Prüfungsangst dazu. Und so artet das Lernen in Stress aus. Klar, kannst Du das so machen. Doch leider bleibt dieses Wissen nur kurzfristig. Wir haben Dir ein paar interessante Fakten und Lerntipps zusammengestellt, um Dir das Pauken ein bisschen zu erleichtern…

Kurzfristiges Lernen lohnt zeitweilig

book-15584_1280Lernen fällt vielen Schülern nicht leicht. Das ist nichts Neues. Das war so, ist so und wird vermutlich auch immer so bleiben. Und da uns das Pauken so wenig Spaß macht, versuchen wir es auf die altbewährte Methode der Druckbetankung. Wir versuchen in kürzester Zeit so viele Informationen aufzunehmen wie möglich, in der Hoffnung einen maximalen Lerneffekt zu erhalten. Natürlich gibt es viele Lerntipps und -methoden, die bei dem ein oder anderen funktionieren. Die optimale Lernstrategie gibt es allerdings nicht. Hier hilft nur Ausprobieren. Finde eine Methode, die zu Dir und Deinem Lerntyp passt. Im Online-Magazin von Geo erhältst Du wichtige Tipps für verschiedene Lerntypen.

Wie verhält es sich nun mit dem Büffeln kurz vor dem Test? Bringt das etwas?

Die Psychologen Harold Pashler und Doug Rohrer testeten das Ganze in einer Vergleichsstudie und stellten Überraschendes fest: Die Forscher ließen zwei Gruppen Vokabeln üben: Die erste Gruppe büffelte fünf Mal die Woche und erreichte nur ein durchschnittliches Ergebnis. Eine zweite Gruppe lernte zehn Mal die Woche. Dadurch erzielten sie dreimal so gute Ergebnisse. Viel zu lernen, verbessert also die Prüfungsergebnissen. Soweit so bekannt! Neu an der Studie war die wiederholte Testierung der Gruppen nach einer und nach drei Wochen. Noch eine Woche nach dem Lerneinsatz hatte die Gruppe mit dem doppelten Lernaufwand einen klaren Vorteil. Überraschenderweise stellte sich nach drei Wochen ein anderes Ergebnis ein. Bei diesem Test lagen beide Gruppen gleich auf. Der Vorteil der Vielbüffler war dahin. Innerhalb von diesen wenigen Wochen hatten die Probanden einen Großteil ihres Wissens wieder vergessen.

Wissenschaftler haben für dieses Lernverhalten einen Begriff: Bulimielernen. Es beschreibt den Versuch, sich Wissen durch permanentes Lernen anzueignen, um es in einem kurzen Zeitraum im Test oder in der Prüfung abzurufen. Diese Lernmethode ist langfristig gesehen jedoch relativ uneffektiv.

Schon ein kleiner Tropfen Wasser macht Dich schlauer

business-meeting-1238188_1280So einfach ist es natürlich nicht. Fakt ist, dass britische Wissenschaftler herausfanden, dass Dehydration schulische Leistungen verringert. Getestet wurde an 447 Studenten an der Universität in East London. Die Forscher beobachteten, ob sich die Prüfungsergebnisse änderten, wenn diese ein Getränk in der Prüfung dabei hatten. Heraus kam, dass sich die Noten in den Tests signifikant verbesserten, wenn bei der Prüfung zumindest ein Getränk im Spiel war. Wissenschaftlich erwiesen ist, das Trinken von Wasser dabei hilft den Stoffwechsel anzuregen und Stress abzubauen. Das macht die grauen Zellen aktiver. Ob das Wasser nun hilft, sei dahingestellt. Probiere es bei der nächsten Prüfung aus.

Wieso vergessen wie Gelerntes so schnell wieder?

Hermann Ebbinghaus, ein deutscher Psychologe, fand in seinen Selbstversuchen heraus, dass er nach 20 Minuten bereits 40 Prozent des frisch angeeigneten Wissens wieder verlernte. Innerhalb einer Stunde sogar 45 Prozent. Einen Tag später war noch ein Drittel des Wissens abrufbar. Nach sechs Tagen 23 Prozent. Umso schockierender, dass wir langfristig nur etwa 15 Prozent des Gelernten behalten und das trotz des enormen Aufwandes. Was machen wir also falsch?

Die besten Lerntechniken im Überblick

Damit es bei den anstehenden Prüfungen klappt, geben wir Dir ein paar Lerntipps mit auf den Weg. Für einige benötigst Du etwas Übung. Am besten Du sucht Dir eine Strategie aus, die zu Dir passt, und investierst ein wenig Energie und Zeit  darin, sie zu beherrschen.

  • Gedächtnispalast: Schon Sherlock Holmes verbrachte regelmäßig Zeit in seinem Gedächtnispalast. Die Methode ist optimal für Dich, wenn Du eine große Vorstellungskraft besitzt. Im Prinzip konstruierst Du aus Deinen Lerninhalten im Gedanken ein Gebäude. Die Grundlagen liefern das Fundament, wichtige Punkte sind tragende Säulen. Details schließen Deinen Gedächtnispalast ab. Bei dieser Technik lässt Du das Gebäude visuell entstehen. Stein für Stein baust Du Dein Wissen auf und hältst es Dir mehrfach vor Augen. Dann verinnerlichst Du die Informationen langfristig. Wem das zu abgehoben klingt, der versucht es mit den altbewährten Karteikarten.
  • Karteikarten: Lernen mit Karteikarten ist der absolute Klassiker. Die Technik ist simpel. Du schreibst einen Begriff auf die Vorderseite. Die Definition dafür schreibst du auf die Rückseite der Karte. Ein Karteikasten vereinfacht das Lernen, wenn Du ihn in verschiedene Abschnitte gliederst. Beispielsweise ordnest Du vorn Inhalte ein, die du noch lernen musst. In einem weiteren Abschnitt befinden sich Karten zum Wiederholen und im letzten Abschnitt, alles, was Du schon drauf hast. Diese siehst Du alle paar Tage durch.
  • Listen: Mit Listen konstruierst Du verschiedene Ebenen, um Informationen klar zu strukturieren. Allein die Struktur trägt dazu bei, die Inhalte und diverse Zusammenhänge leichter zu verstehen. Listen eignen sich hervorragend, um kompliziertes Wissen zu vereinfachen. Bekanntester Vertreter ist die To-Do-Liste.
  • Loci-Methode: Die Methode funktionierte bereits im antiken Griechenland. Im Prinzip verknüpfst Du damit Orte und Objekte mit Lerninhalten. Für einen Vortrag suchst Du Dir eine Route aus, die Du zu Fuß abgehst oder der Du mit dem Blick folgst.  Nun ordnest du jedem Punkt dieser Route bestimmte Inhalte zu. Damit kannst Du die Punkte nacheinander abrufen und die Inhalte memorieren.
  • Mind Mapping: Für die kreativen Köpfe eignet sich das Mindmapping, um Inhalte zu bearbeiten und Zusammenhänge aufzuzeigen. Im Zentrum steht ein Schlagwort oder Thema, davon gehen Zweige mit Informationen ab. Die Unterpunkte bilden weitere Zweige aus.
  • Verständnis: Bei neuen Texten oder Inhalten fokussierst Du Dich darauf Aussagen und Zusammenhänge zu verstehen. Ignoriere Zahlen und Details  und konzentriere Dich auf Strukturen und Prinzipien. Im Anschluss folgen die Details. Sie runden das Verständnis ab.
  • Visualisierung: Wer eine lebhafte Fantasie hat, setzt auf die Visualisierungs-Methode.  Assoziiere Inhalte mit visuellen Bildern und stelle Dir die beschriebenen Aussagen und Situationen lebhaft vor. Arbeite bewusst mit plastischen Bildern wie Mindmaps und Organigrammen, um dir die Inhalte vor Augen zu führen.
  • Wiederholung: Von allen genutzt und daher die bekannteste Lernmethode: die Wiederholung. Dazu wiederholst Du den Lernstoff so oft, bis Du diesen sicher memoriert hast. Wie Du oben gelesen hast, ist stumpfes Wiederholen zwar Mittel zum Zweck, ist jedoch zeitaufwendig und wenig effektiv auf lange Sicht. Kombinierst Du die Wiederholung mit einer weiteren Lernmethode ist diese durchaus sinnvoll.

Lerntipp: Pausen verbessern die Lernleistung

Wobei wir Schlussendlich wieder bei der Druckbetankung wären. Unser Tipp: Wenn Du diese Lösung für die geeignetste hältst, versuche es mit mehreren längeren Pausen zwischendurch. Wer zu viel übt, baut seine Lernfortschritte nach und nach ab. Wenn Du öfter eine Pause einlegst, stellt sich der Lernerfolg schneller ein. Das kann eine Stunde sein, ein Tag oder mehrere Wochen. Je mehr Du lernst, umso länger sollten die Pausen sein. Sich den komplexen Stoff in kurzer Zeit einzutrichtern, reicht zwar oftmals für das Bestehen der Prüfung, langfristig behältst Du davon jedoch wenig. Drum ist es doch so, wie Deine Lehrer sagen: Nach der Schule den Stoff noch einmal pauken, Bücher lesen, das Ganze zur Seite legen, Ausspannen und vor der Prüfung noch mal auffrischen.

Noch mehr Lerntipps

Du willst noch mehr darüber wissen, wie man richtig lernt? Schau Dir die kurzen Lerntipps von BR an. Hier erfährst Du mehr über den Zeitplan beim Lernen, kleine Belohnungen und den richtigen Ort zum Pauken.

Text: Nadine Neugebauer / Bilder: www.pixabay.com